Neurodivergenz und Trauma –
orientierende Begleitung für Beruf und Alltag
Wenn von außen niemand sieht, was es kostet
Für manche Menschen, die sich lange als „ganz normal“ verstehen und meist auch anderen so erscheinen, stellt sich das (Arbeits-)Leben innerlich, also unsichtbar, auf Dauer als eine außerordentlich anstrengende Angelegenheit dar. Nur, warum das so ist, ist oft lange völlig unklar.
Das lässt sich in vielen Fällen lange kompensieren – bis es dann irgendwann doch nicht mehr geht.
Oft zeigt sich das zuerst im Beruf. Dort ist die Anforderung am dichtesten, dort fällt am ehesten auf, dass etwas mehr kostet als bei anderen:
Sitzungen, in denen Sie danach leer sind. Reize im Büro, die Sie nicht ausblenden können. Aufgaben, die Ihnen leichtfallen, während andere sich abmühen – und daneben Dinge, an denen Sie hängen bleiben, die für alle anderen selbstverständlich sind. Konflikte, die sich an verschiedenen Stellen wiederholen. Und die Erschöpfung, die nicht nach Feierabend endet.
Das lässt Menschen irgendwann keine Ruhe mehr, und die Frage wird lauter: Was ist nur mit mir los?
In der öffentlichen Debatte gibt es heute viele, viele Antworten darauf. Die Themen Trauma und Neurodivergenz sind dabei auf allen Kanälen präsent. Aber: Was davon ist seriös, was ist ermächtigend? Und wie soll ich wissen, was wirklich auf mich zutrifft?
Vielleicht geht es Ihnen ähnlich und Sie sind auf der Suche nach Antworten, Verständnis und Orientierung. Dann sind Sie hier richtig. In einer Begleitung mit Fokus auf Neurodivergenz bzw. Trauma geht der Blick tiefer: es geht um mehr als Ihre Rolle, es geht um Sie als Person darin.
Wir schauen gemeinsam, wie sich das mögliche Vorhandensein einer Hochbegabung, Hochsensibilität und / oder AD(H)S bzw. AuDHS in Ihrem Leben zeigt und wie Sie damit einen guten Umgang finden. Wenn Sie noch nicht sicher sind, ob eine Neurodivergenz bei Ihnen vorliegt, können wir das zusammen erforschen.
Dieses Angebot richtet sich an Menschen, die einen Verdacht haben, neurodivergent zu sein oder auch eine frische Diagnose bekommen haben und ihre eigene Neurodivergenz besser verstehen und integrieren möchten. Zudem richtet es sich an Menschen, die sich fragen, ob bei ihren Schwierigkeiten Traumatisierungen eine Rolle spielen und hier mehr Klarheit wünschen. Oder beides.
Warum ich das mache
Ich habe selber Erfahrung mit Neurodivergenz und mich vor etlichen Jahren auf den Weg gemacht, Licht in das Dunkel ungeklärter Fragen zu bringen. Diese Reise war mühsam, das möchte ich nicht verschweigen – und gleichzeitig so erhellend und ermächtigend, dass ich beschlossen habe, das Ganze zu meinem Beruf zu machen und meine Erfahrungen, Erkenntnisse und Fähigkeiten mit anderen zu teilen.
Was ich mit Neurodivergenz meine
Was generell unter Neurodivergenz verstanden wird, ist vielseitig. Wenn jemand neurodivergent ist, bedeutet das, dass eine Person in manchen Bereichen nicht wie die (neurotypische) Mehrheit ist, sondern sich im Wahrnehmen, Fühlen, Denken und auch Handeln unterscheidet.
Es gibt unterschiedliche neurobiologische Erscheinungsformen, die der Neurodivergenz zugeordnet werden (Hochbegabung, Hochsensibilität, AD(H)S, Autismus, die Mischform AuDHS, Dyslexie, Dyskalkulie, Tic-Störungen u.a.). Wobei sich die Fachwelt auch teils nicht einig ist, was dazugehört und was nicht, und die Forschung auch immer wieder neue, interessante Ergebnisse hervorbringt.
Wichtig zu erwähnen ist noch, dass es unterschiedliche Ausprägungen gibt – wie stark jemand diese Abweichung erlebt. Deswegen wird auch oft von einem Spektrum gesprochen, auf dem sich neurodivergente Menschen befinden.
Inzwischen wissen wir, dass auch mehrere Neurodivergenzen häufig zusammen in einer Person auftreten können. Was das Erkennen und Verstehen deutlich erschweren kann.
Gerade Menschen, bei denen verschiedene Dinge sich überlagern, fallen oft durch alle Raster, weil sich die Anteile gegenseitig verdecken.
Ich beziehe mich in meiner Arbeit auf die Bereiche Hochbegabung, Hochsensibilität, ADHS und AuDHS, weil ich mich damit am besten auskenne.
Was ich mit Trauma meine
Trauma ist nicht das Ereignis. Trauma ist das, was davon im Nervensystem zurückbleibt, wenn etwas zu viel war, zu schnell ging oder zu lange dauerte – und niemand da war, der es mit abfedern konnte.
Dabei geht es längst nicht nur um einzelne schwere Ereignisse. Häufiger ist das, was über lange Zeit gewirkt hat: früh gelernt zu haben, dass die eigenen Bedürfnisse nicht zählen. Immer aufmerksam sein zu müssen, wie die Stimmung gerade ist. Sich anzupassen, um dazuzugehören.
Was davon bleibt, ist oft körperlich spürbar, bevor es erklärbar ist. Ständige Wachsamkeit. Erschöpfung, die nicht in Erholung übergeht. Reizbarkeit oder das Gegenteil davon – eine Art innerer Rückzug, in dem alles weit weg ist.
Im Berufsleben zeigt sich das häufig als Überanpassung, als Schwierigkeit, Grenzen zu setzen, oder als Erschöpfung nach Situationen, die andere kaum anstrengen.
Das ist keine Charakterschwäche und nichts, was sich durch Vorsätze ändern lässt. Es sind Reaktionen, die einmal sinnvoll waren.
Was wir hier tun können, ist: lernen, mit Ihrem Nervensystem freundlicher umzugehen. Ich arbeite dabei traumasensibel auf der Grundlage der Neurosystemischen Integration nach Verena König. Das Aufarbeiten von Traumafolgen selbst gehört in eine Traumatherapie.
Was ist denn nun was? Und wie hängt es zusammen?
Neurodivergenzen und Trauma treten häufig zusammen auf. Auch, weil Neurodivergenz zu neurobiologischer Vulnerabilität beitragen kann. Und weil aus der Erfahrung, nicht immer wie alle anderen zu sein, ebenfalls traumatisierende Erfahrungen entstehen können.
Manchmal überlappen sich Neurodivergenzen und Traumafolgen, manchmal sehen sie ähnlich oder sogar identisch aus. Rückzug kann Reizschutz sein oder Schutz vor Menschen – von innen fühlt sich das fast gleich an. Und es kann sehr entlastend sein, das besser ordnen zu können. Nur wie? Es gibt bei aller Verwechslungsgefahr Dinge, die gehören sicher zu dem einen Bereich und nicht zu dem anderen. Mit Feingefühl, Wissen und Zeit lässt sich hier vieles auseinanderdröseln – ich bin Ihnen da gern eine Weggefährtin durch das unübersichtliche Gelände und kläre mit Ihnen die verschiedenen Landschaften, die sich in Ihrer Arbeit und Ihrem Leben zeigen.
Womit ich mich auskenne – und womit nicht
Vielleicht waren Sie auf der Suche nach tragenden Antworten schon an verschiedenen Stellen, bei verschiedenen Menschen – und Sie haben trotzdem noch das Gefühl, dass Sie nicht gesehen wurden, dass da noch mehr ist. Das kommt leider bei neurodivergenten Menschen und auch bei einschränkenden Traumafolgen immer noch recht häufig vor.
In meiner Arbeit geht es um Orientierung: zu verstehen, was bei Ihnen wie zusammenhängt, und daraus Umgangsweisen zu entwickeln, die in Ihrer Arbeit und in Ihrem Alltag tatsächlich tragen.
Wir schauen dabei von zwei Seiten – einerseits auf die Merkmale der verschiedenen Divergenzen und andererseits darauf, was in Ihrem Leben eigentlich los war. Ich sage Ihnen, was ich sehe und wie ich es mir erkläre. Das sind Hypothesen, mehr nicht – sie können auch falsch sein, und dann verwerfen wir sie wieder. Was wir finden, machen wir sichtbar; ich arbeite gern mit Bildern und Checklisten. Denn Erkenntnis, die Ihnen hilft, kann nicht von mir kommen, sondern nur von Ihnen: Sie sehen es und können innerlich zustimmen. Ein Etikett, das jemand anderes Ihnen anlegt, bringt Sie nicht weiter.
Ich achte darauf, dass Sie nicht überflutet aus einer Sitzung gehen – das Regulieren gehört für mich dazu und nicht erst ans Ende.
Und dann die Grenzen: Ich stelle keine offiziellen Diagnosen und ich mache keine Traumatherapie.
Wenn Sie eine klinische Diagnostik brauchen oder möchten, helfe ich Ihnen, die richtigen Stellen zu finden und die Schritte zu gehen. Wenn sich zeigt, dass es Therapie braucht, sage ich Ihnen das offen.
Wenn Sie darüber nachdenken, ob Sie zum Autismus-Spektrum gehören, gewinnen wir gemeinsam eine erste Übersicht – für tiefere autismusspezifische Unterstützung kenne ich inzwischen einige Stellen, die ich empfehlen kann.
Auch während Sie anderswo neue Informationen bekommen, begleite ich Sie gern. Sie müssen das nicht allein machen.
Wie ich mit Ihnen arbeite
Wir fangen mit dem an, was Sie schon wissen. Meistens bringen Menschen eine ganze Menge mit, wenn sie zu mir kommen: gelesene Bücher, Verdachtsmomente, absolvierte Online-Tests, Hinweise von anderen, eigene Beobachtungen über Jahre. Das ist kein Durcheinander, das weggeräumt werden muss – es ist Material, mit dem wir direkt anfangen können.
Ich arbeite dabei nicht nur mit Gesprächen. Vieles von dem, worum es geht, lässt sich schlecht erklären, dafür aber umso besser zeigen. Deshalb nutze ich Bilder, Gegenstände, Aufstellungen im Raum, manchmal auch Bewegung – Formen, in denen etwas sichtbar werden kann, bevor es einen Namen hat. Für viele ist das eine Erleichterung, gerade wenn Reden allein immer schon anstrengend war.
Und ich beziehe Ihren Körper mit ein. Anspannung, Reizempfindlichkeit und das Gefühl, ständig unter Strom zu stehen, sind keine Einstellungssache, sondern spürbare körperliche Zustände. Und daran können wir ansetzen. Wir gehen dabei in einem Tempo, das Sie bestimmen – und nur so weit, wie es gut für Sie ist.
Was Sie am Ende mitnehmen, ist keine Diagnose. Es ist eher eine Art Landkarte: eine Vorstellung davon, wie Ihr Erleben zusammenhängt, wo Ihre Kraft hingeht und wo sie herkommt – und was daraus für Ihren Alltag folgt. Und hoffentlich ein besseres Gefühl, wer Sie eigentlich sind.
Warum bei Frauen so vieles lange unentdeckt bleibt
Frauen – und Personen, die weiblich sozialisiert wurden – bleiben mit ihren Besonderheiten und eigentlichen Bedürfnissen oft sehr lange unerkannt, häufig bis weit in die Lebensmitte hinein. Ihr Leidensweg ist dadurch meist auch länger.
Bis eine Erklärung gefunden ist, liegen oft Jahrzehnte hinter ihnen: Erschöpfung, die niemand erklären konnte. Diagnosen, die nicht recht passten. Und über allem blieb der leise, hartnäckige Verdacht, selbst schuld zu sein und sich nur nicht genug anzustrengen.
Und gleichzeitig – das gehört unbedingt dazu – leisten viele dieser Frauen in dieser ganzen Zeit Erstaunliches. Sie halten anspruchsvolle Berufe, Familien und Freundeskreise, sie sind oft die, auf die sich alle verlassen, sie denken weiter und genauer als gefordert. Und das alles mit einem Aufwand, den niemand sieht. Das Anpassen selbst ist ja bereits eine Leistung: Es gelingt nur, weil jemand außerordentlich fein wahrnimmt, schnell versteht und viel aushält. Was fehlt, ist nicht die Fähigkeit. Was fehlt, ist die Anerkennung dessen, was es kostet – und ein Leben, das nicht ständig verlangt, mehr zu geben als zu bekommen. Vielleicht kennen Sie etwas davon.
Das hat verschiedene Gründe. Zwei möchte ich nennen.
Lange Zeit wurde Forschung vor allem von Männern mit männlichen Probanden durchgeführt. Daher gibt es über die Auswirkungen und Ausdrucksformen von Neurodivergenz bei Frauen bislang einfach weniger empirische Daten. Auch die Merkmale, nach denen erkannt wird, stammen überwiegend aus Untersuchungen an Jungen und Männern. Wir sprechen von einem Gender Data Gap – Caroline Criado Perez hat das in ihrem Buch „Unsichtbare Frauen“ für viele Lebensbereiche beschrieben.
Dazu kommt: Frauen lernen aus einer traditionellen Sozialisation heraus meist früh, sich sozial anzupassen, mehr auf andere zu achten als auf sich selbst und auch gegebenenfalls: nicht aufzufallen. Sie beherrschen somit das sogenannte Maskieren, das Überspielen von Eigenheiten und Schwierigkeiten, oft so perfekt, dass sie irgendwann selbst nicht mehr wissen, wie sie eigentlich sind.
Bei der Hochbegabung kommt noch etwas hinzu. Gute Leistungen von Mädchen werden häufig als Fleiß gedeutet, dieselben Leistungen von Jungen als Begabung. Wer als fleißig gilt, wird nicht auf Begabung hin angeschaut – und bekommt auch nicht, was daraus folgen würde. Und alte, patriarchal geprägte Glaubenssätze können manchmal subtil weiterwirken, auch wenn das heute selten direkt so formuliert wird: dass Frauen gar nicht klug sein können und erst recht nicht klüger als die Mehrheit der Männer.
Mir ist es deswegen ein besonderes Anliegen, gerade auch Frauen zu unterstützen, sich mehr zu sich selbst hin zu ermächtigen – zum einen, weil es individuell einen großen Unterschied macht, zum anderen, weil es mir politisch ein echtes Anliegen ist.
Wenn Sie mögen, fangen wir gemeinsam an!
Sie müssen nicht wissen, wie Sie es nennen sollen, und Sie müssen auch nicht sicher sein, ob Sie „dazugehören“. Es reicht, wenn Sie eine Ahnung mitbringen und den Wunsch, sie besser zu verstehen. Alles Weitere sortieren wir zusammen.
Sie arbeiten mit neurodivergenten Menschen – als Führungskraft oder psychosoziale Fachkraft?
Dafür biete ich ebenfalls Begleitung an. Die Fragen sind dann etwas anders gelagert, oft aber nicht weniger herausfordernd. Sprechen Sie mich gern an.
